Der Nebel vor Deinen Augen. [Eine Anleitung zum Meditieren]

Deine Sicht ist verschwommen. Deine Augen können das Kleingeschriebene nicht scharf lesen. Dieses Gefühl, den Berg runterzufahren und kaum nach vorne blicken zu können. Der kühle Fahrtwind und die kleinen, feinen Schneeflocken wehen Dir direkt ins Gesicht.

Du siehst den Weg nicht mehr klar. Getrübte Sicht. Du übersiehst mitunter eine Wurzel, eine unebene Stelle, ein Hindernis. Und dann noch dieser Nebel. Womm. Endstation Baum. Wo kommt der denn jetzt auf einmal her?

So ergeht es uns oftmals im täglichen Leben. Mit voller Geschwindigkeit durch den Alltag rennen – ohne klare Sicht, ohne klare Richtung. Ein leichter Nebel vor unseren Augen. Doch vor was rennen wir davon? Rennen wir vor uns selbst weg?

Was befürchten wir zu sehen?

Es sind mitunter die blinden Flecke, die wir nicht sehen wollen. Enttäuschungen und Verletzungen aus der Vergangenheit, traumatische Erlebnisse (die uns oftmals gar nicht bewusst sind), Familienthemen oder tiefsitzende Ängste.

Angst hat viele Gesichter. Wir haben Angst alt zu werden. Angst zu sterben. Angst, kein Geld zu haben. Angst einsam zu sein. Angst etwas zu verpassen. Und vor allem haben wir riesige Angst vor der Angst selbst. Wir tun alles, um diese Angst nicht zu spüren oder gar nach außen zu zeigen. Denn wer Angst hat, gilt als schwach und zerbrechlich.

Das Problem ist nicht die Angst. Das Problem ist, dass wir nicht neugierig sind.

Wenn wir Angst haben, rennen wir davon. Meist wissen wir nicht einmal, wovor wir Angst haben. Wie können wir also unsere Ängste erkennen und ihnen begegnen, wenn wir nicht einmal wissen, wovor wir Angst haben?

Um aus einem Zimmer rauszukommen, muss ich erst einmal in das Zimmer reingehen. Der Weg heraus ist also der Weg hinein. Es geht darum, nach innen zu schauen und neugierig zu beobachten, was da gerade ist. Ohne Erwartungshaltung, ohne Bewertung, ohne Druck.

Eine gute Möglichkeit hierfür ist das Meditieren.

Bei meiner 10-tägigen Vipassana-Erfahrung war ich gezwungen, meine blinden Flecke anzuschauen und zu spüren. Ich habe meine Ängste so stark gespürt wie nie zuvor. Ich hatte Angst, alleine zu sein. Denn alleine sein hieß für mich einsam und isoliert zu sein. Ich hatte Angst vor Ruhe und Stille. Nichts tun war für mich verschwendete Zeit.

Ich war stets darauf bedacht, meine Zeit effizient zu nutzen. Egal ob beruflich oder privat. Jedes Zeitfenster wurde gefüllt, bloß keine Leerzeiten entstehen lassen. Dafür ist doch die Lebenszeit viel zu schade. Also jagte ein Ereignis das nächste. Zum Verdauen hatte ich keine Zeit. Doch das war egal. Erlebnisse machen, machen, machen.

Mit meiner körperlichen und mentalen Erschöpfung kam die Wendung.

Tausend Dinge am Machen und innerlich doch nicht zufrieden. Von außen sah alles wunderbar aus, doch innerlich war ich alles andere als in Balance. Dazu kamen körperliche Symptome wie Spannungskopfschmerzen, Rauschen im Ohr und Knirschen in der Nacht.

So habe ich sämtliche Ärzte abgeklappert, doch außer kurzfristige Symptomverschiebung konnte mir niemand grundlegend helfen. Auch wenn ich mich nach so vielen Jahren mit den täglichen Kopfschmerzen arrangiert hatte – wahre Lebensqualität war das nicht.

Also habe ich mich auf die Suche nach einer nachhaltigen Lösung gemacht.

Abseits der Schuldmedizin. Denn ich wollte die Symptome nicht nur oberflächlich verlagern und Tabletten schlucken, sondern die Wurzel bearbeiten. Wirkliche Veränderung einleiten, um mich zu heilen. Die Antwort: persönliches Wachstum.

Wir Menschen sind auf der Welt um zu wachsen. Meiner Meinung nach geht nicht darum, möglichst viele Konsumgüter anzuhäufen, das größte Haus zu bauen oder den muskulösesten Körper zu haben. Es geht um Entwicklung, Veränderung, Wachstum. Das ist unsere Aufgabe. Deshalb sind wir hier. Das ist das größte Geschenk des Lebens.

Wachstum erfolgt durch (schwere) Krisen, die uns unsere Themen aufzeigen.

Krisen, Schicksalsschläge oder Krankheiten sind keine Strafe Gottes, sondern unsere Lehrer, die uns auf unserem Weg begleiten. Wenn wir uns auf den Weg machen, haben wir das Potential, größer zu werden als wir uns vorstellen können. Wir können zu einem reiferen, moralischeren und vor allem glücklicheren Menschen werden. Befreit von altem Ballast können wir wirklich im HIER UND JETZT leben.

Ansonsten hängen wir in unserem alten Programm fest wie ein Computer, der sich aufgehangen hat und nicht mehr geschmeidig läuft. Der Mensch ist genetisch dafür ausgestattet, solche schweren Erfahrungen zu erleben und sich aus dieser Erfahrung weiter zu entwickeln. Diese Erfahrung zwingt uns aus unserem alten Denk-Muster und verlangt von uns, in einer neuen Weise im Leben zu stehen.

Nicht trotz, sondern aufgrund dieser Erfahrungen haben wir überlebt.

Sonst wären wir kurz nach der menschlichen Entstehung ausgestorben. Der Mensch befindet sich in ständiger Veränderung. Ob wir wollen oder nicht. Jede Sekunde geschieht Veränderung. Mittlerweile habe ich nur noch sehr selten Kopfschmerzen. Und wenn, dann zeigt mir mein Körper damit auf, dass es genug ist. Das ich genügend Anspannung hatte und nun sanft in eine Pause gehen darf.

Der Körper ist ja so unheimlich klug. Wir müssen „nur“ auf seine Signale hören und sie richtig interpretieren. Auch mein Körper wollte mir mit den Symptomen etwas sagen: Jalda, entspann Dich mal. Ich kann nicht dauerhaft in Anspannung sein, ich brauche auch mal eine Pause. Ich finde es gut, dass Du für Andere da bist. Doch bitte nimm Dir auch genügend Zeit für mich, tu Dir was Gutes und genieße das Sein.

Wir verstehen unseren Körper, sobald wir in Verbindung mit ihm gehen. 

Meine Transformation konnte nur deshalb geschehen, weil ich nach innen geschaut und auf meinen Körper gehört habe. Um die Symptome aus meinem Körper zu bekommen, muss ich erstmal in meinen Körper. Um aus meiner Angst herauszukommen, muss ich erstmal in die Angst rein. Ich muss sie sehen, spüren, fühlen, durchleben. Und das immer wieder.

Das Leben hält täglich kleinere und größere „Probleme“ oder vielmehr Wachstumspotentiale bereit. Somit befinden wir uns in einem kontinuierlichen Prozess des Wachsens. Es wird also nicht langweilig. Das Leben ist so vielseitig und spannend. Ein wahres Geschenk, es entdecken, erforschen und verstehen zu dürfen. 🙂

Ich habe einen kurzen Überblick (PDF-Datei zum Download) über die wichtigsten Fakten rund ums Meditieren für Dich zusammengestellt. Falls Du Fragen oder Anregungen hast oder Deine Erfahrung mit mir teilen möchtest, freue ich mich von Dir zu hören.

Luna Jalda Life Coach

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