Wenn es außen still wird, wird es innen laut.

Kennst Du das Gefühl, den ganzen Tag beschäftigt zu sein? Du arbeitest. Du schmeißt den Haushalt. Du triffst Dich mit Freunden. Du gehst in die Oper. Du schaust eine spannende Serie auf Netflix. Du verbringst Zeit mit Deinem Partner/ Deiner Partnerin. Du liest ein interessantes Buch. Oder Du gehst mal wieder zum Sport. Und zack, der Tag ist vorüber.

So viele Dinge gemacht und geschafft. Wahnsinn. Doch gibt es auch einen Moment am Tag, wo Du gar nichts machst? Einfach nur pausieren und auf der Couch liegen? Der Blick aufs Handy ist dann doch sehr verlockend. Mal wieder Freunden schreiben, die Mama anrufen oder auf Facebook schauen, was so geht.

Was bedeuten Ruhe und Stille für Dich? 

Doch sobald Du das Handy weglegst und einfach nur so daliegst und nichts tust, geht es los: die Party im Kopf. Die Gedanken toben nur so vor sich her. Einer schreit lauter als der Andere. Ein buntes Durcheinander. Immer mehr Gedanken schießen Dir durch den Kopf. Mitunter auch unangenehme, quälende oder unerwünschte Gedanken machen sich breit.

Kein schönes Gefühl – sagt der Chef da oben im Kopf. Aufhören. Die Party ist vorbei. Die Partygäste können sich einfach nicht benehmen. Sie machen einfach nicht das, was man ihnen sagt. Sie scheinen sich nicht bändigen zu lassen. Sie entwickeln förmlich ein Eigenleben, eine kaum kontrollierbare Eigendynamik. Beängstigend. Was also tun?

Das Schlüsselwort ist Ablenkung. Beschäftigung. Aktion. Aktivität.

Nenne es, wie Du möchtest. Doch eines ist klar: wenn es außen still wird, wird es innen laut. Das ist ungewohnt für uns. Denn die meiste Zeit des Tages ist es genau andersherum. Außen ist es laut (in Form von unzähligen Reizen und Infos), sodass unser Inneres leise ist. Quasi auf Mute geschaltet. Innen und außen können nicht zur gleichen Zeit on sein. Nur einer kann auf der Bühne stehen und die Aufmerksamkeit bekommen.

Und nun stell’ Dir mal vor, dass all diese (durchaus schönen) Ablenkungen für 10 Tage in den Urlaub geschickt werden: kein Reden, kein Augenkontakt, kein Handy, kein Buch, keine Musik, kein Schreiben, kein Sport, kein Sex. Dafür gibt es 11 Stunden stilles sitzen, traumhafte Ruhe, indische Gesänge und Gedankenkarussell. Kurzum: 10 Tage volle Dröhnung DU. Klingt hart? Ist es auch!

Kannst Du Dich an eine Situation in Deinem Leben erinnern, in der Du mal so direkt und pur mit Dir in Verbindung gekommen bist?

Für mich war eine solche Konfrontation mit mir und meinem Inneren unvorstellbar. Ich bin doch eher die kommunikative Frau, die am liebsten auf fünf Hochzeiten gleichzeitig tanzt, Gesellschaft liebt und stets neue Herausforderungen sucht. Und beim Meditieren geht es ja vielmehr um Ruhe, nichts tun, einfach nur sein und nach innen schauen.

Was bitte?? Das klingt nach Stillstand, Langeweile und Tod. Menschen, die sich in die Stille zurückziehen, sind doch langweilig, Außenseiter und haben keine Freunde, oder? Nun gut. Ich gehöre mittlerweile wohl auch zu dieser Kategorie der Langweiler. Einige lachen mich aus, Andere nennen mich verrückt und manch einer zeigt Interesse. Denn mal Hand aus Herz.

Wir stehen ja doch alle vor der gleichen Herausforderung: wie kann ich Ich sein, glücklich & zufrieden leben und mich stetiger Gesundheit erfreuen?

Wie schaffe ich es, mich in einer unfassbar schnellen, vergleichenden und künstlichen Welt nicht zu verlieren? Wie kann ich den unzähligen Erwartungshaltungen – von Arbeit, Familie, Partnerschaft, Kindern, Freunden und vor allem mir selbst – gerecht werden? Wo ist der Schalter, um den Kopf-Computer für einen Moment runterzufahren und das ständige Getriebensein auszuschalten?

Viele Fragen, eine Antwort:
Still sitzen, atmen und nach innen schauen.


Es klingt so einfach und banal. Und das ist es auch an sich. Wenn da nicht diese tausenden Ablenkungsmöglichkeiten und dieser unbändige Geist wären. Ein verstreuter Geist ist überall und nirgendwo. Ihm fehlt die Klarheit, das exzellente Sehen. Er ist benebelt und getrübt. Doch Klarheit kommt von innen. Eine Suche im Außen wird kläglich scheitern.

Es geht um die Frage: Was ist mir wirklich wichtig?

Um wieder Licht in diesen Nebel zu bekommen, habe ich mich für die 10-tägige Vipassana-Erfahrung entschieden. Und ich möchte ehrlich mit Dir sein: täglich 11 Stunden still sitzen, nichts tun und keinerlei Ablenkungen zu haben, ist eine Erfahrung, die alles sprengt, was ich bisher geglaubt, gesehen und erlebt habe.

Es war eine so tiefe, intensive und erkenntnisreiche Reise zu mir selbst. Schonungslos, direkt und nicht immer schön. Es kommen Gefühle, Bilder, Erinnerungen zum Vorschein, die ich gekonnt verdrängt habe, weil ich sie einfach nicht (mehr) in meinem Leben wissen wollte. Doch nun konnte ich sie nicht mehr verdrängen.

Ich konnte nicht weglaufen, sondern musste ihnen direkt ins Auge schauen. 

Jeder Tag ist eine neue Herausforderung. Jeder Tag ist etwas anders. Die körperlichen Schmerzen werden nicht besser, sie variieren nur. Und dann noch dieser Geist, der wie ein verrücktgewordener Stier in der Arena tobt und wütet. Wann wird das denn endlich besser? Irgendwann muss doch der Tag kommen, an dem sich das alles beruhigt und die innerlich tobenden Widerstände aufhören.

Und dann kommt dieser Tag, an dem ich dachte, ich würde durchdrehen. Ich wollte nicht mehr. Ich hatte einfach keine Lust mehr zu sitzen, mich auf meine Atmung und körperlichen Empfindungen zu konzentrieren. Alles in mir hat geschrien, dass es genug sei und dieser Mist endlich aufhören solle. Ah!

Doch am Ende wartet die Belohnung.

Ein klarer Geist, tiefe Entspannung und die erkenntisreiche Erfahrung: Vipassana ist die Kunst zu leben. Es geht darum, die Realität so zu sehen wie sie wirklich ist – und nicht wie wir sie gerne hätten. Es geht um einen gleichmütigen, ausgeglichenen und reinen Geist sowie innerer Zufriedenheit unabhängig von äußeren Umständen (wir suchen den Grund für unser Leiden doch meist lieber im Außen).

Das Leben ist ein Auf und Ab, täglich passieren kleinere und größere Dingen, die wir nicht mögen und gerne anders hätten. Durch objektives Beobachten unserer körperlichen Empfindungen und dem Loslassen von Bewertungen gelangen wir zu mehr Gelassenheit.

Alles ist vergänglich, nichts ist von Dauer, alles befindet sich im stetigen Wandel.

Luna Jalda Life Coach

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. We all try to catch and train the monkeys in our mind ?! Ich sitze gerade vor dem Kaminfeuer und genieße werde gleich die Stille genießen. Danke für deine Erinnerung und Inspiration liebe Jalda.

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