Meditieren und Sport. Wie passt das zusammen? [Praktische Tipps für kleine Meditations-Einheiten im Alltag]

Das klassische Meditieren findet bekanntlich im Sitzen statt. Doch das muss nicht so sein. Man kann es auch wunderbar für sich und seine körperliche Verfassung sowie die eigenen Lebensumstände anpassen. Nicht jeder hat die Möglichkeit, die Ruhe oder den Raum, ungestört im Sitzen zu meditieren.

Und das ist okay. Es gibt gute Alternativen. Denn worum geht es beim Meditieren? Es geht darum, dass das Leben eine Meditation wird. Soll heißen, dass wir präsent und wirklich im gegenwärtigen Moment anwesend sind. Es geht darum, mit dem Geist weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft, sondern im HIER UND JETZT zu sein.

Und das können wir jederzeit, überall praktizieren.

Es geht darum, sich darüber bewusst zu werden und immer wieder „Präsenzphasen“ einzubauen. Es geht nicht darum, sein Leben von heute auf morgen komplett zu verändern und ein neuer Mensch zu werden. Das ist weder realistisch noch nachhaltig und die Motivation wird über kurz oder lang schwinden.

Es geht vielmehr darum, sich langsam Schritt für Schritt anzunähern. Und das schaffen wir mit Bewusstsein, Achtsamkeit und Geduld. Wir wollen am liebsten alles jetzt und sofort. Doch ein Blick in die Natur verrät uns, dass alles seine Zeit zum Wachsen und Entwickeln braucht. So auch unsere Prozesse, unser Wachstum, unsere Veränderung. Geduld und ein sanftes Gemüt mit uns selbst.

Entschlossen im Bemühen, bescheiden in der Erwartungshaltung. 

Druck und Erwartungshaltung bewirken hier (wie auch grundsätzlich im Leben) nur das Gegenteil und bringen uns keinen Schritt voran. Vielmehr werden wir fest, steif und verbissen. Die Konsequenz: wir sind unzufrieden und unglücklich mit uns und der Welt. Wir können nichts erzwingen. Die Dinge entwickeln sich und kommen zu uns, wenn wir loslassen und ihnen Raum geben. Dann kann Wachstum entstehen.

Doch es gibt da diesen inneren Richter, der sehr hart und streng mit uns ist. Er kommentiert alles, was wir machen. Manchmal ist er so laut, dass wir in Selbstzweifel geraten und uns selber fertigmachen. Wir stellen unser Tun in Frage und kommen aus dem Grübeln nicht mehr raus. Eine Endlosschleife der Selbstzweifel nimmt seinen Lauf…

Mit Bewusstsein, Achtsamkeit und Sanftmut können wir unseren inneren Richter vielleicht nicht komplett ausschalten, doch mitunter etwas leiser stellen. Und das ist doch schon mal ein Anfang. Jede Reise beginnt mit einem kleinen Schritt. So auch unsere Reise zu mehr Bewusstsein und Sanftmut mit uns selbst.

Ständige Selbstzweifel kosten Energie und lassen uns klein fühlen.

Jon Kabat-Zinn definiert Achtsamkeit als eine bestimmte Form der Aufmerksamkeit, die absichtsvoll ist, sich auf den gegenwärtigen Moment bezieht und nicht wertend ist. Nicht wertend in Bezug auf unsere eigenen Handlungen sowie der von anderen Menschen. Neugierig beobachten. Ohne bewerten. Ohne gut oder schlecht. Ohne richtig oder falsch. Ohne klug oder dumm. Ohne angenehm oder störend.

Ich lade Dich ein, für einen Tag mal darauf zu achten, wie Dein innerer Kommentator (aka Dein innerer Richter) Dich durch diesen Tag begleitet. Höre ihm einfach mal neugierig zu, wie er Dein Tun und Handeln kommentiert und wie er sich in Interaktionen mit anderen Menschen verhält. Einfach mal lauschen. Was kannst Du wahrnehmen?

Das Leben wird zur Meditation. 

Wenn das Leben also eine Meditation werden soll, heißt das, dass wir jederzeit und überall praktizieren können. Beim Essen. Beim Spaziergang. Beim Arbeiten. Beim Lesen. Beim Reden. Beim Filmgucken. Beim Sport. Es geht um Präsenzphasen, in denen wir mit unserer Aufmerksamkeit voll und ganz bei einer Sache sind. Und ja, damit widerspreche ich bewusst dem Mythos der Multitasking-Fähigkeit. Daran glaube ich nicht, auch nicht bei Frauen.

Wenn ich mich sportliche betätige, dann kann ich mich ganz bewusst auf meinen Körper konzentrieren. Was nehme ich in meinem Körper wahr? Welche Muskeln arbeiten? Wo sind meine Schultern, was macht der Bauch? Lasse ich die Atmung sanft fließen oder halte ich sie an? Ab wann wird es anstrengend, ab wann überlaste ich mich?

Das Training wird sich komplett verändern.

Du wirst merken, dass Du Deine einzelnen Körperbereiche viel klarer oder überhaupt mal spürst. Du wirst merken, was Dein Körper braucht und Dich dadurch weniger verletzen. Du wirst „neue“ Muskeln entdecken oder wiederbeleben, die lange Zeit taub und gefühllos waren – bzw. sie waren einfach nur im Schönheitsschlaf und haben darauf gewartet, wach geküsst zu werden. 😉

Du wirst Deine Muskeln viel effektiver und tiefgehender trainieren. Du wirst merken, dass Kopf und Körper keine getrennten Einheiten sind, sondern sich bedingen. Du wirst merken, wie Du wieder in Verbindung mit Deinem Körper kommst. Du wirst merken, wie befreit sich Dein Kopf anfühlen wird und was Du für eine Energie im Körper spüren kannst.

Du wirst Leben und Lebendigkeit in Deinem Körper spüren!

Somit ist jede Form der (sportlichen) Bewegung eine wundervolle Möglichkeit, den wilden Geist für einen Moment zu bändigen. Der Geist wird immer wieder abschweifen – in die Zukunft um zu planen oder in die Vergangenheit um zu erinnern. Und das ist okay.

Es gilt die Aufmerksamkeit immer wieder geduldig und ohne Druck oder Frustration zurück zur körperlichen Übung, zur aktuellen Bewegungsform zu lenken. Und das immer und immer wieder. Denn der Geist ist ein wilder Bursche. Wie heißt es so schön? Übung macht den Meister. Also auf geht’s!

Ein paar Inspirationen für kleine Präsenzphasen im Alltag:

Beim Sport: Aufmerksamkeit im Körper. Jegliche Körperempfindungen wahrnehmen. Langsame, bewusste Bewegungen ausführen. Atmung fließen lassen. Aufmerksamkeit auf die Muskeln, die an der Übung beteiligt sind oder sein sollen.

In der Bahn/ Bus: Augen schließen oder ein Objekt anvisieren. Atmen und auf Geräusche hören. Ganz wichtig: dabei nichts und niemanden bewerten, sondern nur beobachten – auch wenn das im verrückten Berliner Nahverkehr durchaus eine Herausforderung sein kann.

Im Auto: Keinerlei Nebenbeschäftigung durch Musik, Handy, Essen. Nur fahren und auf den Straßenverkehr konzentrieren. Auch hier nicht bewerten, kein Aufregen, kein Schimpfen oder sonstiges – nur neutral beobachten was da gerade ist.

Auf dem Fahrrad: Musik und Handy mal in der Tasche lassen. Auf Geräusche lauschen. Straßenverkehr beobachten. Körperliche Empfindungen wahrnehmen (immerhin eine sportliche Aktivität, die was mit unserem Körper macht).

Auf Arbeit/ vor dem PC: Gerader und aufrechter Sitz. Schultern weich. Leichtes Doppelkinn. Augen schließen oder offenhalten (je nach Büro-Situation). 10x tiefe, bewusste Atemzüge nehmen. Aufmerksamkeit auf Atmung lenken. Dann weiter arbeiten: hat sich was verändert?

In der Mittagspause: Kurzer Spaziergang an der frischen Luft (auch schon 5-10 Minuten machen einen riesigen Unterschied). Kopf wird frei. Körper kommt in Bewegung. Verspannte Muskeln durch Sitzen und starke Konzentration lösen sich. Lungen bekommen frische Luft. Aufmerksamkeit auf Körperempfindungen beim Gehen richten.

Beim Essen: Keinerlei Ablenkung durch Lesen, Reden, Videos. Nur essen. Langsam essen. Jeden Bissen 20-30x kauen (denn die Verdauung beginnt im Mund). Bewusst schmecken und genüsslich runterschlucken – und Du wirst merken, dass Du viel weniger als sonst isst und schneller satt wirst. Das ist gut für den Geldbeutel und die Figur, yeah!

Unterhaltung mit Freunden/ Kollegen/ wem auch immer: Aufmerksames Zuhören. Ausreden lassen. Nicht andauernd unterbrechen und Fragen stellen. Abwarten mit der Antwort/ Reaktion. Trägt meine Antwort zu dem Gesagten bei oder möchte ich mein Ego damit stärken?

Ich könnte die Liste noch ewig so weiterführen. Doch ich denke, Du hast das Prinzip verstanden. Mit diesen Impulsen für Dein tägliches Dasein und Tun kannst Du ja mal experimentieren. Und schauen, was für Dich passt und was sich gut für Dich in Deinen Alltag einbauen lässt.

Falls Du Deine Erfahrungen mit mir teilen möchtest, schreib‘ mir. Entweder als Kommentar zu diesem Blogartikel oder als email. Ich freue mich über Post. 🙂

Luna Jalda Life Coach

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