Was brauchst Du? Sag es! Lerne Deine Bedürfnisse zu kommunizieren

Manche Dinge können wir besonders gut. Andere Dinge fallen uns schwer. Das sind unsere Lernfelder. Bereiche, in den wir wachsen können. Ich habe immer wieder Schwierigkeiten, meine wahren Bedürfnisse und Wünsche zu äußern. Zu groß die Angst vor Ablehnung und Konfrontation. Zu groß der Drang nach Liebe und Harmonie.

Doch damit belüge ich mich immer wieder selber und bin nicht authentisch. Ich zeige mich nach außen nicht so, wie ich wirklich bin. Ich spiele eine Rolle, trage eine Maske und unterdrücke meine Gefühle, die sich doch so gerne ausdrücken möchten.

Ich bin lustig, positiv und verrückt. Doch ich bin auch traurig, wütend und aggressiv. Ich bin alles. Ich bin jedes Gefühl. Alles darf da sein. Es gibt keine guten oder schlechten Gefühle. Das ist ein Label, welches wir als Gesellschaft definiert und den Dingen zugeordnet haben.

Unsere Gefühle sind wie kleine Kinder – sie wollen einfach nur gesehen und angenommen werden.

Ich darf all diese Gefühle spüren und liebevoll annehmen, meine Bedürfnisse und Grenzen nach außen kommunizieren und somit authentisch leben. Ich formuliere klar und deutlich das, was in mir fühlbar ist und was ICH in diesem Moment brauche.

Herz Sonnenuntergang


Ohne mein Gegenüber anzugreifen, unter Druck zu setzen oder zu verletzen. Wie mein Gegenüber dann tatsächlich darauf reagiert, ist seine/ ihre Sache. Seine/ ihre Reaktion hat wiederum was mit seinen/ ihren blinden Flecken und Triggerpunkten zu tun.

Vor allem wir Frauen haben gelernt, unsere Bedürfnisse hintenanzustellen. Nur wer sich für Andere aufopfert, ist eine gute Frau/ Freundin/ Mutter/ Partnerin. Immer schön lächeln und unterordnen? Die eigenen Grenzen bewusst übergehen? Das geht sicherlich eine Zeitlang gut, doch es ist weder gesund noch nachhaltig.

Du solltest Dich fragen, was Du willst:

Ein fremdbestimmtes Leben, in dem Du versuchst, Anderen zu gefallen und Dich stets verbiegst?

Ein selbstbestimmtes Leben, in dem Du auf Deine Bedürfnisse hörst und gut mit Dir umgehst?

Und dabei geht es nicht um Egoismus und Selbstverliebtheit. Ich kann mich auf Andere nur dann einlassen und mitfühlend sein, wenn ich als erstes an mich denke. Liebe beginnt mit mir selbst. Nur wenn ich mich selber liebe und schätze, kann ich Andere aufrichtig lieben und schätzen.

Konzept der gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg

Kommunikation ist der Schlüssel für ein erfülltes Leben, weil es uns die Möglichkeit gibt, unsere Mitmenschen zu verstehen, uns mit ihnen auszutauschen und unsere Bedürfnisse mitzuteilen.

Das Konzept der gewaltfreien Kommunikation besagt, dass alle Menschen die gleichen Bedürfnisse haben, nur unterschiedliche Strategien erlernt haben um diese zu erfüllen. Kernelement ist die Empathie, die für mehr Verständnis füreinander sorgt.

Die vier Schritte sind:

  1. BEOBACHTE ohne zu bewerten – Was gefällt mir nicht? Ohne zu kritisieren. Was ist der Auslöser? Was hat die andere Person getan, was mich in meiner Lebensqualität einschränkt?

  2. GEFÜHLE – Wie fühle ich mich, wenn sich die Person so verhält? Meine Gefühle geben Auskunft über meine Bedürfnisse (ich fühle mich so, weil ein Bedürfnis von mir verletzt wurde).

  3. BEDÜRFNISSE – Sind mit den Gefühlen verbunden. Das Bewusstsein über meine Bedürfnisse führt zu selbstbestimmten Leben und mehr Mitgefühl für Andere.

 

Die neun Grundbedürfnisse nach Marshall B. Rosenberg:

  1. Körperliches Wohlbefinden (Nahrung, Luft, Wasser)
  2. Sicherheit (Schutz, Übersicht, Klarheit, Abgrenzung, Privatsphäre, Struktur)
  3. Liebe
  4. Empathie, Einfühlung
  5. Kreativität
  6. Geborgenheit (ein warmes Nest, eine warme Gemeinschaft zum Leben)
  7. Spiel, Erholung (Spaß, Spiel, Erholung, Ruhe, Leichtigkeit)
  8. Autonomie (Willensfreiheit, Selbstbestimmung)
  9. Bedürfnis nach Sinn, nach einer Aufgabe (laut Viktor Frankl das wichtigste Bedürfnis)
  1. BITTE – eine klare Bitte äußern. Was will ich von der anderen Person? Konkrete Handlungswünsche formulieren, dabei keine Forderung stellen. Die andere Person hat die Wahl, ob sie der Bitte nachkommt.

Meine Buchempfehlung für dich:

„Konflikte lösen durch gewaltfreie Kommunikation“


Bei allem, was wir tun, geht es um die Erfüllung unserer Bedürfnisse. Uns sollte bewusst sein, dass ein Konflikt ein tragischer Ausdruck eines unerfüllten Bedürfnisses ist. Denn ein Bedürfnis ist eine Offenbarung des Lebens und gibt mir Auskunft über mich und meine Lebendigkeit.

Treppenstufen

Nur wenn ich mit meinen Gefühlen und Bedürfnissen verbunden bin, bin ich lebendig und lebe im Hier und Jetzt. Gefühle beziehen sich nämlich auf die Gegenwart, auf den Moment, und werden im Jetzt gelebt.

Außerdem kann ich den Menschen erreichen und eine Verbindung schaffen, wenn ich bei mir bin, meine Gefühle kommuniziere und mich verletzbar mache.

Wie leicht es doch ist, andere Menschen zu kritisieren oder nach Fehlern zu suchen. Einerseits verlagern wir den Fokus auf eine andere Person und müssen uns somit nicht mit uns selbst beschäftigen.

Doch uns sollte bewusst sein, dass bei uns selbst ein Bedürfnis nicht erfüllt ist, wenn wir Andere kritisieren.

Sobald wir merken, dass wir uns an den Schwächen einer anderen Person aufreiben, sollten wir uns fragen, was uns das über uns sagt. Warum ärgere ich mich so? Welches Bedürfnis ist nicht erfüllt?

Wenn wir hart mit Anderen umgehen und wenig Mitgefühl für sie aufbringen können, sind wir oftmals auch sehr hart mit uns und haben wenig Selbsteinfühlung. Selbsteinfühlung und Selbstempathie heißt, den inneren Richter umzuerziehen und gütiger und nachsichtiger mit uns umzugehen.

Unser innerer Entscheider trifft permanent Entscheidungen für ein erfülltes Leben. Unser innerer Richter beurteilt, ob ihm das gelungen ist.

Oftmals sind wir unzufrieden mit den getroffenen Entscheidungen, zweifeln und kritisieren uns selbst, sodass ein Gefühl des Ungenügens und nicht-perfekt-seins entsteht. Das heißt, dass wir erst die Verbindung zu uns finden, Selbsteinfühlung entwickeln und Selbstliebe leben bevor wir Empathie für andere Menschen aufbringen können.

Die Reihenfolge sieht also wie folgt aus: erst an Dir selber arbeiten, ein anderes Bewusstsein kreieren, die Liebe zum Leben weitergeben und nach außen tragen. Doch nicht nur wir alleine, sondern auch die Strukturen und der Kontext, in denen wir leben, entscheiden darüber ob wir mit unserer Menschlichkeit verbunden sind (Verbindung zu uns selbst) und so Empathie für Andere empfinden können.

Mitgefühl


Empathie heißt, präsent und langsam zu sein und die Gefühle und Bedürfnisse meines Gegenübers zu reflektieren, nicht seine Gedanken.

Dabei verzichte ich auf Ausflüge in die Vergangenheit und Zukunft genauso wie auf Ratschläge oder Handlungsempfehlungen. Denn das tötet die Empathie und manipuliert die Selbstbestimmung des Anderen. Jeder Mensch trägt alle Antworten in sich – es braucht mitunter nur Empathie um diese zum Vorschein zu bringen.

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen…

Höre auf Deine Gefühle und kommuniziere Deine Bedürfnisse. Mal wird es Dir besser gelingen, mal fällst Du zurück in Dein altes, tief eingeschliffenes Muster. Und das ist okay. Kein Stress, es geht nicht darum, als Erstes am Ziel zu sein. Es gibt kein Ziel.

Es geht um Dich und Deine Transformation vom innerlich verletzen Kind zum reifen Erwachsenen, der voll in seiner Schöpferkraft steht.

Und das braucht Zeit. Schritt für Schritt. Schicht um Schicht. Ohne Druck, ohne Erwartungshaltung. Ohne Vergleich mit den Anderen. Du bist auf Deiner ganz individuellen Reise. Genieße. Entdecke. Sei neugierig und offen.

Lass Dich fallen – und alles wird zu Dir kommen.

Luna Jalda Life Coach

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